Hundepsychologische Verhaltenstherapie

Ihr Hund leidet unter Trennungsstress, er bricht bei jedem lauteren Geräusch in sich zusamme, er jagt Lichtreflexe oder starrt minutenlang auf Schatten und lässt sich kaum davon abbringen? Vielleicht zeigt er aber auch ein zwanghaftes Bellen, Graben oder jagt seine Rute?

 

Ich habe noch nie einen Problemhund gesehen.

Wie kann das denn sein, ein Hundepsychologe und noch nie einen Problemhund gesehen? Ja, denn für mich gibt es keine Problemhunde. Problemhund würde bedeuten, dass das Problem wirklich im Hund begründet liegt, aber genau das ist nicht der Fall. Allerhöchstens und äußerst selten findet man keine Ursache für das gezeigte Verhalten des Hundes - so selten allerdings, dass ich es bislang noch nicht erlebt habe.

 

Was zeichnet eine echte Verhaltensstörung denn aus? Kurz gesagt, die Mehrheit aller Hunde würde in der  Situation das Verhalten nicht zeigen. Im Normalfall ist das gezeigte Verhalten nicht einmal Bestandteil der typischen Verhaltensweisen von Hunden.

 

Ursachen für größere Verhaltensauffälligkeiten und echte Verhaltensstörungen können u. a. folgende sein:

  • Erkrankungen
  • Traumatische(s) Erlebnis(se)
  • langandauernder oder immer wiederkehrende negative Stressbelastungen
  • mangelnde Habituation und/oder Sozialisation
  • Zucht und Aufzucht
  • soziales Umfeld und Haltungsbedingungen
  • Training

 

Wann und warum sollte ich mich mit dem Problem an einen Hundepsychologen oder Tierarzt mit Zusatzbezeichnung „Verhaltenstherapie“ und nicht an eine Hundeschule oder einen reinen Hundetrainer wenden?

 

Die hundepsychologische Verhaltenstherapie wird bei größeren Verhaltensauffälligkeiten und echten Verhaltensstörungen, Traumata, extremer Angst und übermässiger Aggression angewandt. In diesen Fällen kommt es nicht selten zu langandauerndem Stress und körperlichen Beeinträchtigungen bis hin zu Erkrankungen und sogar Depressionen beim Hund. Häufig ist dazu das Zusammenleben von Hund und Halter stark beeinträchtigt. Hier ist ein reines Training nicht hilfreich und verschlimmert in vielen Fällen die Situation weiter. Aber auch die falschen oder falsch angewandte Therapiemethoden können das Problem verschlimmern oder neue Probleme verursachen.
 

Hier Beispiele wann eine Therapie der einzig richtige Weg ist:

 

Angstverhalten oder extreme Scheue gegenüber:

  • Artgenossen
  • Menschen
  • anderen Tieren
  • der unbelebten Umwelt

 

Trennungsstress und echte Trennungsangst:

  • dauerhaftes Heulen
  • langanhaltendes Bellen
  • Zerstörungswut
  • Unsauberkeit

 

 Abnormal-repetetives Verhalten (Stereotypie und Zwangsverhalten):

  • Rute jagen, sich im Kreis drehen
  • Leckdermatitis, Flanke saugen
  • Autoaggression, Angriffe auf den Futternapf
  • Heulen, rhythmisches Bellen
  • Schattenstarren
  • Lichtreflexe jagen
  • ...

 

Geräuschangst und Geräuschempfindlichkeit, z. B. gegenüber:

  • Schussgeräuschen
  • Knallgeräuschen
  • Strassenlärm
  • Haushaltsgeräuschen
  • ...

Der Hund zeigt phobische Reaktionen wie extreme Fluchtreaktion, körperliche Symptome, wie starkes Zittern, weit aufgerissene Augen, extremes Speicheln, 'Schreien', ...

 

Störungen des Ernährungsverhaltens:

  • Fressen unverdaulicher Gegenstände
  • Kotfressen
  • Futterverweigerung
  • ...

 Übersteigertes Aggressionsverhalten:

 

  • gegenüber Artgenossen, Familienmitgliedern, fremden Menschen, anderen Tierarten
  • territorial
  • angst- oder schmerzbedingte Aggression
  • bezogen auf Ressourcen
  • ...

Kombination mehrerer unerwünschter Verhaltensweisen, wie z. B.

  • Leineziehen
  • übermässiges Bellen
  • Aggression gegenüber Artgenossen
  • ...

 

Die Therapie

  1. Analyse
  2. Beurteilung des Verhaltens
  3. Erstellen eines Therapie- und Trainingsplans
  4. Umsetzung in einzelnen Schritten

Nach einem ersten Telefonat findet ein ausführliches Gespräch bei Ihnen statt. Im Rahmen dieses Gesprächs wird anhand Ihrer Schilderungen ein ausführlicher Fragebogen ausgefüllt, bzw. Sie füllen diesen vorab aus und schicken ihn mir vor dem Termin zurück oder halten ihn zum Gespräch bereit. Gegebenenfalls - und mit Ihrer Zustimmung - erstelle ich auch eine Videoaufzeichnung. Sie können mir aber auch gerne ein Video zeigen, welches Sie im Vorfeld aufgenommen haben. Das Ganze dient dazu eventuell bestehende Zusammenhänge zwischen der allgemeinen Situation, dem eigentlichen Problemverhalten, den daraus resultierenden Konsequenzen und den bestehenden Bedingungen zu erkennen. Kurz gesagt, wir machen uns auf die Suche nach möglichen Ursachen und Auslösern. Ich erläutere Ihnen notwendige und / oder empfehlenswerte Managementmaßnahmen, gebe Ihnen hilfreiche Tipps, und wir beginnen vielleicht schon mit einem ersten Trainingsschritt oder einer vorbereitenden Übung.

 

Anhand der gewonnen Informationen erstelle ich eine Verhaltensbeurteilung. Im nächsten Schritt erstelle ich dann einen Therapieplan, der ganz speziell auf Ihre individuelle Situation mit Ihrem Hund zugeschnitten ist. Sie erhalten eine ausführliche Version des Plans mit Anleitungen und bei Bedarf zusätzliche Handzettel zu den einzelnen Schritten. Wir gehen die wichtigsten Therapie- und Trainingsschritte gemeinsam durch. Bei Angststörungen, Zwangsverhalten, Stereotypien und anderen komplexeren Problemstellungen begleite ich zumeist alle Therapieschritte; ansonsten nach Bedarf. Sowohl bei Ihnen als auch bei Ihrem Hund wird sich im Laufe der Therapie einiges tun und verändern. Falls es sich also ergeben sollte, werden Therapie und Plan selbstverständlich den sich verändernden Gegebenheiten angepasst.

 

Im Laufe der Trainingseinheiten vermittle ich Ihnen außerdem das erforderliche Wissen über die Bedürfnisse, die Fähigkeiten, das Verhalten, die Kommunikation und das Lernverhalten, sowohl Ihres Hundes als auch allgemein von Hunden. Die meisten Termine finden bei Ihnen statt. Der Vorteil liegt darin, dass ich Sie und Ihren Hund im gewohnten Umfeld kennen lerne und erlebe.

 

Bitte beachten Sie:

  • Bei Verhaltensproblemen, wie Angst, Leinenaggression, Ressourcenaggression, ... werden wir das Verhalten möglichst nicht auslösen. Da ich weiß, wie diese Verhaltensweisen sich äußern, sind Ihre Schilderungen meist völlig ausreichend. Zum einen bestärkt jedes Zeigen des unerwünschten Verhaltens Ihren Hund weiter in seiner bisherigen Strategie, zum anderen besteht durch das Auslösen von Angst die Gefahr der Zerstörung des Vertrauensverhältnisses und das Auftreten gesundheitlicher Folgen.
  • Die Anzahl der Beratungen ist je nach Grad der Verhaltensstörungen individuell verschieden.

 

- Bei Verdacht auf Erkrankung als mögliche Ursache, empfehle ich eventuell vor Aufnahme der Therapie / des Trainings die Vorstellung Ihres Hundes bei Ihrem Tierarzt oder einem Spezialisten. -