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Mein Hund ist stur, zickig, bockig, eigensinnig

Ihr Hund zieht sie an der Leine dahin, wo er hin möchte? Wenn Sie mit ihm im Wald oder der Stadt unterwegs sind und er sich hinsetzen oder warten soll, schaltet er auf stur? Es hat an der Tür geklingelt und Ihr Hund soll in sein Körbchen gehen?

 

Eins kann ich Ihnen direkt sagen: Ihr Hund macht das, was er macht, nicht um Sie zu ärgern. Ich selber habe eine Hündin, die durchaus häufiger mal stur oder zickig wirkt. Aber sie ist es nicht. In den Momenten, wo sie dieses Verhalten zeigt, ist sie:

  • sehr fokussiert und hört und sieht mich gar nicht
  • ängstlich
  • überfordert
  • selbständig unterwegs

Wie Sie sehen, gibt es bei manchen Hunden, je nach Situation, sogar mehrere Gründe für die gezeigten Verhaltensweisen. Grob runterbrechen kann man die Gründe meiner Ansicht nach immer folgendermaßen:

  1. Druck
  2. Überforderung
  3. Neugierde
  4. Bedürfnis

1. Druck

Ich möchte das mein Jack Russelterrier ein bestimmtes Verhalten zeigt und zwar jetzt und sofort. Um die Dringlichkeit und Notwendigkeit zu unterstreichen, beuge ich mich von oben über ihn und spreche mit strenger Stimme, damit er sich sofort hinsetzt. Auf viele Hunde wirkt es sehr bedrohlich, wenn wir uns über sie beugen. Wenn wir dazu noch mit strenger Stimme sprechen empfinden viele Hunde Druck und versuchen uns zu beschwichtigen, in dem sie sich abwenden, wegdrehen oder sogar weggehen.

 

2. Überforderung

Ich übe mit meinem Labrador seit zwei Wochen das Platz und möchte nun, dass er sich in einem gefüllten Straßencafé, wo einige Tische weiter ein junger Hund in seine Richtung zieht und fiept, hinlegt. Mein Hund ist nach so kurzer Zeit des Trainings und dann noch unter so starker Ablenkung nicht in der Lage ein Signalwort zuverlässig auszuführen.

 

3. Neugierde

Wir sind mit unserem Beagle das erste Mal in einem Zoo, überall gibt es Tiere, viele Menschen, spielende Kinder und ja, es riecht auch noch an jeder Ecke gut. Viele Hunde sind neugierig und zeigen in unbekannten, aber interessanten Situationen viel Erkundungsverhalten. Dies auch, um sich mit der Situation vertraut zu machen, und so Sicherheit zu gewinnen.

 

4. Bedürfnis

Ich möchte, dass mein Cocker Spaniel mit mir schnell die Gassirunde beendet, da ich spät dran bin und es in Strömen regnet. Aber mein Hund zieht zu jedem Gebüsch. Meinem Hund ist es egal, das es regnet, und das ich unter Zeitdruck stehe, weiß er auch nicht. Er möchte in Ruhe seinem Geschäft nachgehen und die Umgebung lädt zum Stöbern ein.

 

Sehr häufig sehe ich bei Hunden, die als hin und wieder oder sogar generell stur bezeichnet werden, Folgendes:

  • einen sehr selbständigen Hund
  • einen sehr fokussierten Hund
  • einen sehr vorsichtigen Hund
  • einen ängstlichen Hund
  • einen überforderten Hund
  • einen neugierigen Hund

Häufig sind darunter folgende Rassen zu finden:

  • Dackel
  • viele Terrier
  • Chihuahuas
  • englische Bulldoggen
  • Beagle
  • ehemalige Straßenhunde
  • Akita Inus
  • Herdenschutzhunde

Wie gehe ich an die Sache heran, wenn ich solch ein Hund-Halterteam betreue oder selber einen Hund, der stur wirkt?

  1. Ich schaue mir an, welches Verhalten der Hund in welchen Situationen zeigt und wann er es  nicht zeigt
  2. Ich ergründe das Bedürfnis / den Grund für das Verhalten
  3. Ich erarbeite einen Plan mit Empfehlungen, einen Trainings- oder Therapieplan basierend auf den Bedürfnissen des Hundes

Im Falle meiner aktuellen Hündin, gab / gibt es folgende Gründe für Verhaltensweisen, die häufig als stur bezeichnet werden:

 

1. Sie zieht plötzlich kräftig an der Leine in eine Richtung

In diesem Fall riecht es unwiderstehlich gut nach etwas Fressbarem oder einem interessanten Artgenossen, oder ein unwiderstehlicher Artgenosse steht plötzlich in geringer Entfernung.

 

2. Sie läuft links und rechts, quasi immer der Nase oder den Augen nach, ganz so als wäre ich nicht am anderen Ende der Leine

Dies passiert meistens an neuen Orten mit vielen verschiedenen Reizen, die sie interessieren, sehr häufig im Stadtbereich (andere Hunde, spielende Kinder, Menschen, die sie ansehen, Gerüche, ...)

 

3. Sie bleibt plötzlich stehen und will nicht mehr weitergehen

Dies kommt inzwischen fast gar nicht mehr vor, zu Anfang - passierte es - aufgrund verschiedenster Geräusche, die sie stark verunsichert bis geängstigt haben, mehrmals täglich.

 

Wie sah / sieht in meinem Fall die Lösung(en) aus?

Punkt 3 tritt so gut wie gar nicht mehr auf. Hier habe ich sie gegenüber den angstauslösenden Reizen therapiert. Durch ihre grundsätzlich sehr positive Einstellung, Ihren fast unstillbaren Hunger und Ihr Neugierdeverhalten war dies sehr gut möglich.

 

Zu Punkt 1) Hier habe ich - und mache es immer noch - konsequent an der Leinenführigkeit und einer Orientierung hin zu mir gearbeitet. An der Leine gibt es kein wildes hin- und her und stete Seitenwechsel, sondern ein kurzes Innehalten und ein Blick in die Richtung wohin sie möchte, und dann steht dem auch in ruhigen Gegenden ohne viel Gegenverkehr nichts entgegen. Trotz allem ist sie eine Hündin mit Vergangenheit und auch die Selbständigkeit des amerikanischen Foxhounds blitzt durchaus immer noch wieder durch.

 

Zu Punkt 2) Für solche Fälle habe ich Ihr 'kurze Leine' beigebracht, d. h. sie wird an einer 1 m langen Leine geführt, sie kann die Länge der Leine ausnutzen, bleibt aber auf der Seite, auf die ich sie jeweils nehme und es geht nach unserem Tempo. Dies kommt z. B. im Urlaub häufiger vor oder am Wochenende, wenn wir erst irgendwo spazierengegangen sind, und sie dann noch mit in einer Café oder Ähnliches nehmen. Wir haben dann aber immer eine zweite längere Leine mit und sorgen dafür, das ihr Bedürfnisse immer vorher gestillt werden (sich lösen, ausgiebig schnüffeln und erkunden, wenn möglich Freilauf, ...).

 

Womit und woran arbeite ich in solchen Fällen häufig?

  • über die Motivation und mit den Bedürfnissen des Hundes
  • an der Leinenführigkeit
  • Gehen an kurzer Leine
  • immer wieder mit Umweltbelohnungen, aber nicht nur, damit keine Erwartungshaltung entsteht
  • kurzen Trainingssequenzen
  • einem Aufmerksamkeitssignal