· 

Wieviel Erziehung braucht der Hund

Wenn es frei nach dem Zital von Johann Wolfgang von Goethe geht, dann braucht ein Hund zwei Dinge:

Wurzeln und Flügel

 

Meine Sicht auf das Leben mit Hund entspricht im Grund dem, was Goethe mit diesem Spruch aussagen wollte: Wir sollten unserem Hund die sichere Basis und der sichere Hafen sein: Von und mit uns kann er die Welt sicher erkunden und Dinge erleben und bei uns findet er immer Schutz und Sicherheit.

 

Auf diesen Grundpfeilern unserer Beziehung zu unserem Hund ensteht die vielgepriesene Bindung. Weitere wichtige Faktoren, die dazu beitragen sind:

  • Rituale (Verlässlichkeit)
  • Routinen (Beständigkeit)
  • Befriedigung der Grundbedürfnisse
  • Zuneigung
  • Verständnis

und Feingefühl für die Kommunikation und ganz besonders die feinen Signale des Hundes. Diese bewußt wahrzunehmen, richtig deuten zu können, um dann schnell und adäquat darauf reagieren zu können, damit dringen wir in seine Gefühlwelt und wahrlich zu ihm durch. Dies führt unweigerlich von Hundeseite aus zu mehr Kooperationsbereitschaft.

 

Wenn wir unserem Hund all dies- und ganz besonders in den Entwicklungsphasen seines Lebens -  bieten, dann ist bereits ein großes Stück des Weges zu einem gelassenen und glücklichen Hundeleben geebnet.

 

Gerät unser Hund jedoch in zu viele emotionale Konflikte mangels der obengenannten Punkte, entwickeln sich häufig Unsicherheiten, Ängste und Meideverhalten. Und auch die Orientierung und Aufmerksamkeit an uns findet nicht statt oder lässt nach.

 

In seiner Entwicklung können wir unseren Hund ganz nebenbei im Alltag unterstützen indem wir:

  • ihn ermutigen anstatt ihn zu locken
  • ihn motivieren und fast unmerklich zu unterstützen anstatt ihn für jede Handlung zu belohnen
  • ihm für besondere Erfolge ehrlich gemeintes Lob zukommen lassen
  • wenige aber sinnvolle Regeln aufsetzen, die dann auch jedes Mal gelten. Wenn Ausnahmen nötig sind, diese für den Hund nachvollziehbar gestaltet werden
  • bei seinen Lernfortschritten seine Bedürfnisse, Fähigkeiten und vorherigen Lernerfahrungen berücksichtigen
  • ihn nicht zu überfordern und ihn im Falle von Überforderung in einer Situation zu unterstützen
  • ihm Vorbild in puncto Ruhe, Gelassenheit und Souveränität sind
  • ihn Selbstbeherrschung lernen lassen
  • ihm solitäre und gemeinsame Beschäftigungen bieten
  • ihm kleinschrittig beibringen, alleine bleiben zu können

Wenn hierüber die Basis gelegt ist, was muss der Hund dann noch können/lernen? Das ist je nach Wesen des Hundes und den Bedingungen des Zusammenlebens mit uns recht individuell, aber meiner Meinung nach reicht es aus, wenn ein Hund:

  • kommt, wenn man ihn ruft
  • warten kann (in irgendeiner Position verharren, ob liegend, stehen, sitzend, während etwas passiert, bis etwas vorbei ist, ...)
  • leinenführig ist
  • einen Trick, den er beim Menschen ausführt (Touch, High 5, ...) beherrscht
  • das Signal Sitz

Alle anderen Signale wie das bei Fuß gehen, Steh oder auch Platz sehe ich nicht als notwendig an.

 

Wenn wenn man Obengenanntes beherzigt hat, der Hund gesund ist, hauptsächlich gute Lernerfahrungen gemacht hat und gut sozialisiert und habituiert wurde, dann wird er sich - angeleint und auch ohne Leine - an uns orientieren, sich gerne in unserer Nähe aufhalten, uns immer wieder freiwiliig Aufmerksamkeit schenken und sich hinlegen, wenn er entspannt ist.

 

Für mich ist ein Hund, der sich nicht hinlegen kann immer ein Indikator, daß etwas an der Situation verändert werden sollte, weil sie zu aufregend oder stressend für ihn ist.

 

Für bestimmte Persönlichkeiten, bei kleineren Problemen oder in bestimmten Phasen (Junghundphase, Pubertät, Adoleszenz) und bei erwachsenen Hundn aus dem Tierschutz können zusätzliche Signale hilfreich sein:

 

  • Deckentraining
  • ein Signal für langsam (an der Leine, im Spiel, bei Begegnungen mit Artgenossen, ...)
  • vorsichtig (beim Nehmen von Futter oder Spielzeugen, im Umgang mit kleineren Artgenossen, Kindern, anderen Lebewesen, ...)
  • Ruheübungen
  • Entspannungssignale