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Leinenführigkeit

Eines der häufigsten Probleme mit dem sich Halter, besonders die größerer Hunde, an Hundetrainer wenden, und häufig eine Sache, die entweder ihre Ursache in einem woanders liegenden Problem hat oder aber selber zum Auslöser eines oder gleich mehrerer Probleme wird, ist die Leinenführigkeit.

 

Und genau darum ist es mit der Leinenführigkeit auch nicht so einfach, wie manch einer verspricht und / oder Empfehlungen von anderen Hundehaltern es erscheinen lassen. Und ganz sicher gibt es keinen Grund an den eigenen oder den Fähigkeiten seines Hundes zu zweifeln. Denn da sind oftmals diejenigen, die behaupten es läge nur am anderen Ende der Leine, sie als Halter hätten nicht die Führung, sondern der Hund oder Ihr Hund habe keinen Respekt. Oder die anderen Hundehalter, die empfehlen, es genauso zu machen, wie sie es gemacht hätten, es hätte bei ihnen schließlich funktioniert, Rambo ginge nun wunderbar an der Leine. Wenn sie Glück haben, oder dieser Halter derart mit seinem Hund geübt hat, dass er genau die Bedürfnisse seines Hundes mit berücksichtigt hat und auch ihr Hund die gleichen Bedürfnisse wie dieser Hund hat, ja dann können Sie Glück haben, und es funktioniert auch bei Ihnen.

 

Wie Sie sicherlich inzwischen gemerkt haben, ist das Ganze ein viel weiteres Feld als man im ersten Moment denken mag. Und vielleicht denken Sie: „Mein Hund soll doch einfach nur ordentlich an der Leine gehen.“ So einfach ist es aber oftmals eben nicht.

 

Zu allererst ist das an der Leine gehen für Hunde etwas sehr Unnatürliches, was ihnen erst beigebracht werden muss. Zum anderen zwingen wir unsere Hunde durch Leinenführigkeit, besonders an einer viel zu kurzen Leine, sich äußerst unhöflich zu verhalten, denn eine kurze Leine schränkt die Kommunikation von Hunden extrem ein. Außerdem unterschreiten wir selber mit einer kurzen Leine in den allermeisten Fällen die Individualdistanz unseres Hundes. Und auch unserem Hund ist, wenn er zu den Artgenossen gehört, die auf eine bestimmte Individualdistanz Wert legen (wozu viele Hunde alleine schon rassebedingt gehören), kann es ihm durchaus auch unangenehm sein, unsere Individualdistanz zu unterschreiten. Denn Individualdistanz gilt bei gut sozialisierten Hunden immer für beide Parteien.

 

Zu diesen ersten Punkten können noch weitere Gründe, warum ein Hund an der Leine zieht, hinzukommen:

 

Der Oppositionsreflex: wir ziehen an der Leine, also zieht der Hund auch. Das Ganze geschieht beim Hund unbewusst, da es sich um einen Reflex handelt. Gerne mal an sich selber probieren, Zug erzeugt Gegenzug und Druck erzeugt Gegendruck (ja, letzteres physisch wie psychisch).

 

Der Hund hat es bislang nicht richtig gelernt an lockerer Leine zu laufen.

 

Der Hund läuft an einer sogenannten Rollleine, deren Sinn und Zweck es ist, dass der Hund an der Leine zieht. Wer also mit Rollleine läuft und sein Hund zieht, schmeißt am besten erst Mal seine Rollleine in die hinterste Ecke eines Schrankes.

 

Die Leine ist viel zu kurz. Ganz kleine Hunde gehören mindestens an eine 1,50 m lange Leine, Hunde bis 30 cm an eine 2 m Leine und alle darüber an eine 3 m lange Leine, damit sie überhaupt die Möglichkeit haben, auf’s Grün zu kommen, ohne an der Leine zu ziehen. Besonders bei den großen Hunden muss man dann aber natürlich zuerst schauen, wie arg es um die Leinenführigkeit bestellt ist, und ob der Hund vielleicht nicht nur zieht, sondern auch in die Leine springt bevor man dann zuerst auf einem gesicherten Grundstück, wo man notfalls sorglos die Leine fallen lassen kann, auf die notwendige Leinenlänge wechselt.

 

 Der Hund ist gestresst. Dies alleine kann viele Gründe haben, wie:

  • Angst
  • Überforderung (durch unsere Erwartungen, aber häufig auch durch die Umwelt)
  • zu viele Ablenkungen (Menschen, Artgenossen, andere Tiere, Autos, Fahrräder, Gegenstände, Hauseingänge, Mülltonnen, …)
  • die Angst, dass jemand aus der Gruppe ‚abhandenkommen könnte‘
  • Aufregung durch durch uns erzeugte Hektik
  • negative Erfahrungen an der Leine
  • Frust (eingeschränkte Kommunikation und die Leine wird als Barriere oder Hindernis, besonders, wenn der Hund als Welpe an der Leine überall hindurfte, empfunden), …
  • Mangelnde oder falsche Kommunikation
  • Der Hund wird am Halsband geführt. Durch Druck und Schmerz durch das Halsband versucht der Hund diesem eben genau durch das Ziehen zu entkommen. Und wer nun meint, wie dumm das denn sei, dem sei gesagt, dass wir uns alle täglich auf die eine oder andere Art dumm verhalten. Und dass, obwohl wir doch mit so viel Intellekt gesegnet sind, oder?

Und nun kommen wir zu einem weiteren wichtigen, wenn auch vielleicht sehr ernüchterndes Punkt: Es gibt für Leinenführigkeit nicht die eine Lösung und schon gar nicht Methode, denn so individuell wie der Grund oder die Gründe aus denen der Hund zieht, ist dann auch die Lösung, dem Hund das Gehen an lockerer Leine beizubringen. Und die Lösung besteht oftmals aus der Kombination verschiedener Elemente.

 

Was aber immer auch eine Voraussetzung für einen Erfolg ist, ist unser Verhalten und zwar:

  • Geduld
  • Ruhe

Regelmäßiges und den Fähigkeiten und Bedürfnissen des eigenen Hundes angepasstes Üben unter kleinschrittigem und einzelnen Steigern von Ablenkungen, Dauer, Schwierigkeitsgrad und dann an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten und letztlich auch Länge/Kürze der Leine.

 

Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, und der für das jeweilige Team individuelle Lösungsweg gefunden ist, kann es manchmal aber doch recht schnell gehen mit der Leinenführigkeit.