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Die gemeinsame Zeit ist viel zu schnell vorbei

Auf meiner letzten Kurzwanderung mit unserer Akita ist mir wieder bewußt geworden, wie kostbar doch die gemeinsame Zeit mit unseren Lieben ist.

 

Da die Zeit mit unseren Hunden, wenn wir sie von Welpe an, bis ins hohe Hundeseniorenalter begleiten dürfen, generell bestenfalls 16 oder 17 Jahre währt, sollte da nicht jeder Tag mit Freude mit- und aneinander ausgekostet werden? Es gibt doch nur die eine Zeit hier und jetzt, die wir gemeinsam haben und später vielleicht nur viele Jahre in denen wir zurückblicken auf all die Dinge, die wir nicht gemeinsam genossen haben.

 

So richtig ins Bewußtsein gerückt ist es mir als Akita mir einen Angelhaken mit Köder angezeigt und ihn nicht direkt aufgenommen hat. Es sei dahingestellt, ob ein Angler den Haken verloren oder jemand diesen extra ausgelegt hatte. Bewährt hat sich in diesem Moment, das wir am Anzeigen und eben nicht Aufnehmen und Fressen geübt haben. Nicht immer klappt das schon, aber gestern war dem Gott sei Dank so. Denn im Gegensatz zu einer Stulle, die sie sich anstandslos wieder abnehmen lassen würde, wäre das mit solch einem kleinen Etwas, das schnell abzuschlucken ist, wohl extrem kritisch geworden.

 

Schnell den Haken gesichert und später entsorgt, und dann nichts wie auf ins sonntägliche Vergnügen. Normalweise gibt's hier und da mal eine Übung zum Gehen an kurzer Leine oder ein Sitz auf Distanz, aber gestern, auch wenn wir beide zwischendurch immer die Grundsignale mit viel Freude üben, gab's nur fliegende und rollende Leckerchen, einfach mal so ein paar Leckereien zwischendurch und ansonsten nur gemeinsames Erkunden und hündisches Zeitunglesen für Akita.

 

Auf der anderen Kanalseite bot sich mir aber ein Schauspiel, das nicht besser zum Ganzen hätte passen können. Eine Familie unterwegs mit Jagdhund Emma. Emma mußte in den Kanal und Stöckchen holen und mußte dieses wie der Blitz ranbringen, Emma mußte Vorsitzen, Emma mußte auf Pfiff zurückkommen und Emma mußte 'Bei Fußßßß' gehen.

 

Ich finde es wichtig, das ein Hund der so offensichtlich jagdlich motiviert ist, wie Emma es bei Emma den Anschein hatte -sie war schneller (stöbernd) im Unterholz unterwegs als der Blitz - Grundsignale wie den Rückruf und ein Sitz auch auf Distanz sehr zuverlässig beherrscht.

 

Aber was ich mich in diesem Moment sehr nachdenklich gemacht hat, war die Art des Umgangs mit Emma. Meine vielen 'mußte' geben ja schon den ersten Hinweis, mit Emma lief das Ganze ganz und gar nicht freudig und spielerisch ab. Nicht mal das Apportieren des Stockes war eine Freude für Emma, denn sie mußte ja. Sie wurde quasi stimmlich ins Wasser gestoßen und all die anderen Drill-Kommandos hätten bei der Bundeswehr zwar zu Entzücken geführt, bei Emma führten sie aber jedes Mal zu kurzen, deutlichen Anzeichen von Meideverhalten und  noch viel deutlicheren Beschwichtigungssignalen, die ich auf der anderen Kanalseite ganz klar erkennen konnte.

 

Mir geht es hier und jetzt auch gar nicht darum, die Fähigkeiten des Hundehalters anzuprangern, denn wahrscheinlich hat er es entweder in einer Hundeschule, im TV oder im Internet genauso vermittelt bekommen, was dann am Ehesten anzuprangern wäre, oder wie traurig es ist, das der Halter sich einen hochspezialisierten und sehr sozialen Jagdgefährten in die Familie geholt hat; einen Freund, deren Sprache er nicht mal ansatzweise versteht. Mir geht es um die verlorene Zeit, die man gemeinsam in wahrer Freundschaft und im Genuss purer Freude am Zusammensein verbringt.

 

Es wäre so einfach gewesen aus dem Spaziergang eine Freude für alle Beteiligten zu machen: Ein freundliches und motivierendes 'Brings' nachdem der Stock nicht arg so weit, das Emma schon Sorge hatte überhaupt ins Wasser zu gehen, ein dickes und ernstgemeintes Lob für's Bringen und beim nächsten Mal wäre sie sicherlich ganz freiwillig (ohne Zögern) wie der Blitz mit dem Stock angeflitzt gekommen, ein freundliches Signal für's Vorsitzen, dann hätte sich Emma sicher genauso flott, aber dafür freudig gesetzt und mit einem freundlichen 'Bei Fuß' in einer Situation in der die Ablenkung nicht so hoch gewesen wäre wie in den geübten Situationen, hätte es mit dem Bei Fuß gehen auch geklappt, und Leinenruck und ein 'Bei Fuß', das bis in den nächsten Ort zu hören war, und welches Emma nur noch mehr daran hinderte 'Beiß-Fuß' zu gehen, wäre allen Beteiligten erspart geblieben.

 

Vermutlich sind Emmas Menschen herzensgut und haben ihre Emma sehr, sehr gern. Vielleicht aber werden sie in einigen Jahren - zurückblicken und sich fragen, warum Emma so viel mußte und nur so wenig durfte. Schade eigentlich.