Perspektivwechsel

 

Sich der Stärken des eigenen Hundes bewusst werden und diese zu fördern anstatt sich auf die Schwächen zu konzentrieren. Was kann mein Hund gut, was liebt er und was davon kann ich ihm ermöglichen, bzw. wie nutzen, um ihn glücklich und ausgeglichen zu machen?

 

Der ballsüchtige Border Collie, der seine Umwelt kaum noch wahrnimmt, zum Nervenbündel wird und seine Menschen im Spiel rüde anrempelt, kann lernen, verschiedene Spielzeuge auswendig zu lernen, diese zu suchen und zu bringen. Spielbeginn und -ende werden hierbei jeweils angekündigt.

 

Der Golden Retriever der seinem Halter ständig und überall Spielzeuge vor die Füsse legt, so dass dieser schon mehrmals fast gestürzt wäre, kann gut mit Dummyarbeit (Apportieren) beschäftigt werden.

 

Unser deutscher Pinscher Jagdterriermischling bellt wie ein Dobermann, wenn es an der Tür klingelt, aber er ist ansprech- und abrufbar. Und seitdem uns ein Polizist sagte: 'Hier bricht keiner ein', sehe ich es anders, bzw. höre das Bellen mit anderen Ohren. Denn eigentlich erwarte ich doch auch genau das von meinem Hund.

 

Man kann also häufig das, was man als Schwäche sieht, zu einer Stärke ausbauen. Schauen wir uns doch mal ein Beispiel ausführlicher an:

 

Der 8-jährige Mischlingsrüde Max, der bei seiner Familie am Ende eines Wohngebiets in der Nähe von Feldern und Wäldern lebt, zeigt eine Verhaltensweise, die seine Halter als sehr störend empfinden. Max ist in Haus und Garten ruhig, ausgeglichen und gehorsam. Sobald es aber angeleint vom Grundstück geht, dreht er förmlich auf. Er wirkt wie in einer anderen Welt, die Nase scheint förmlich am Boden zu kleben, und 15 kg zerren an der Leine nach vorn.  Was Max Halter als störend empfinden, gehört zum Normalverhalten eines Hundes. Max verfolgt mit tiefer Nase Spuren und zeigt somit ein Element des Jagdverhaltens.

  

Jagen ist für Hunde selbstbelohnend und deshalb kaum gänzlich zu unterbinden. Aber warum auch? Statt dem Hund jegliche Form oder Teilsequenzen des Jagens zu verbieten, kann ich mit dem Hund „gemeinsam“ auf die Jagd gehen und verschiedene Sequenzen des Jagdverhaltens als Belohnung einsetzen. Im Fall von Max, z. B. durch das Mantrailing.


Beim Mantrailing verfolgt der HUnd angeleint eine individuelle Geruchsspur (Trail) eines vermissten Menschen oder Tieres (Pettrail). Mantrailing ist körperlich und geistig außerordentlich anstrengend und optimal zur Auslastung geeignet. Es steigert die Bindung und erhöht das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Hund. Der Mensch lernt seinen Hund zu lesen, d. h. die Signale, die der Hund über Mimik und Körpersprache aussendet, zu erkennen und zu verstehen. Nach erfolgreichem Trail findet der Hund den Vermissten und wird von diesem mit einem sogenannten Jackpot belohnt (ganz besondere Leckerchen oder ein Spiel).

Die Jagdmotivation des Hundes kann voll ausgelebt werden, denn der Hund kommt – allerdings kontrolliert - zum ‚Jagderfolg‘. Das das Jagdverhalten kontrolliert abläuft heisst, dass es, zum einen unter Signalkontrolle gesetzt wird und, dass zum anderen mit einem Geschirr und einer Leine gearbeitet wird, die sonst im Alltag nicht zum Einsatz kommen. Dadurch muss man auch keine Sorge haben, dass der Hund  auch im Alltag 'trailt' und weiterhin an der Leine zieht. Im Gegenteil man hat schnell einen ausgeglicheneren Hund, der sich deutlich mehr an einem orientiert. Die Leinenführigkeit im und für den Alltag sind mit Max jetzt wesentlich leichter zu üben und zu erreichen. Wenn wir unseren Hunden die Möglichkeit bieten, Normalverhalten zu zeigen und Ihre Bedürfnisse zu befriedigen, werden aus scheinbaren Schwächen schnell Stärken.

 

Und hier noch ein Link zu einem Video, das zeigt, dass in jedem ein Talent steckt und wie aus vermeintlichen Schwächen Stärke wird:

https://www.youtube.com/watch?v=Kgd-b8X3meA&feature=youtu.be